Dienstag, 27. Januar 2015

Erfahrungen nach knapp 17 Monaten Windelfrei/Ausscheidungsskommunikation

Unser Sohn wird bald 17 Monate alt, und entsprechend wollte ich ein erstes Resümee ziehen und unsere Erfahrungen mit Windelfrei/Ausscheidungskommunikation mit euch teilen. Die bisherige Reise war sehr interessant, und wir haben viel gelernt. Vor allem konnte ich viel durch die Erfahrungen anderer lernen, sodass ich nun auch meine mit euch teilen möchte, in der Hoffnung, dass es jemandem weiterhilft. Für die, die nicht wissen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, kann ich folgende Artikel empfehlen:

http://eliminication.net/
http://www.artgerecht-projekt.de/downloads/artgerecht-windelfrei/
http://www.topffit.de/was-ist-topffit.htm

Kurz zusammengefasst: Babies sind von Anfang an in der Lage, ihr Ausscheidungsbedürfnis zu kommunizieren und ihre Ausscheidungen bis zu einem gewissen Grad zu beherrschen. Eingehen auf die Kommunikation kann einem Baby helfen, das Bewusstsein für die Ausscheidungen aufrecht zu erhalten, und kann somit viele Vorteile bringen. Windelfrei/Ausscheidungskommunikation ist nicht das gleiche wie Sauberkeitserziehung, da das Kind eben nicht zu irgendetwas hingezogen wird durch Belohnung/Schimpfen und ähnlichem, sondern es wird lediglich auf das Kind und seine Bedürfnisse eingegangen.

Babies haben eindeutig von Anfang an eine gewisse Kontrolle über ihre Ausscheidungen, da ansonsten der Urin z. B. permanent unkontrolliert tropfen würde. Eine leichte Inkontinenz, bei der wenige Tropfen mal herauskommen, haben wohl tatsächlich alle Babies, allerdings urinieren Babies von Anfang an im Strahl, bei Neugeborenen häufig in dem Moment, in dem man die Windel abnimmt. Dadurch ist deutlich, dass sie ihren Urin für eine gewisse Zeit halten können. Und dass sie ungern ihre Kleidung nass machen, sondern sich lieber erleichtern, wenn sie ausgezogen sind.

Bei der Ausscheidungskommunikation wird seitens der Eltern nach bestimmten Signalen Ausschau gehalten, die einer Ausscheidung vorhergehen, um das Kind dann zu entkleiden und es „abzuhalten“, also über einem Töpfchen, dem Waschbecken oder ähnlichem zu halten, damit es sich dann dort entspannen kann. Es geht also nicht darum, dass es die Ausscheidungen halten soll, sondern darum, dass dem Kind ermöglicht wird, sich zu entspannen, ohne sich selbst zu beschmutzen.

Viele Babies reagieren sehr unruhig, wenn sie in ihre Windel machen müssen, manche reagieren sogar darauf, überhaupt eine Windel zu tragen. Entsprechend kann Ausscheidungskommunikation Eltern und Kind helfen, entspannter durch den Alltag zu gehen.

Ich habe schon lange vor meiner Schwangerschaft von Ausscheidungskommunikation gehört, unter anderem einer Runde beigewohnt, bei der zwei Familien ihre Erfahrungen mit Interessierten geteilt haben. Ihre Erfahrungen haben mich davon überzeugt, es mit Windelfrei auszuprobieren.

Während der Schwangerschaft habe ich in dem Buch „Es geht auch ohne Windeln“ von Ingrid Bauer gelesen, habe im Internet recherchiert und mich on- und offline mit anderen Eltern ausgetauscht. Ich habe teilweise in mir den Druck gespürt, dass es gleich von Anfang an perfekt klappen müsse, aber die Erfahrungen anderer haben mir geholfen, mich diesbezüglich weitestgehend zu entspannen.

Als mein Sohn geboren wurde, haben wir ihn die ersten drei Tage nackt gelassen, größtenteils mit Körperkontakt und/oder locker in Tücher gewickelt. (Nicht gepuckt.) Ich hatte gehofft, dass ich so schneller ein Gefühl dafür entwickeln würde, wann er müsse. Aber mit zunehmenden Ausscheidungen, deren Signale ich noch nicht merkte, habe ich mich entschieden, ihm Windeln (und Kleidung) anzuziehen, um so den Stress zu reduzieren. Am 5. Tag probierte ich zum ersten Mal, ihn über einem Töpfchen zu halten, und er legte tatsächlich gleich los, jedoch ließ sich der Strahl schlecht „kontrollieren“. Also entschlossen wir uns, ihn über einer Plastikwanne abzuhalten, um so die Treffsicherheit zu erhöhen. ;)



Bezüglich des großen Geschäfts klappte es schnell, dass ich die Signale dafür identifizieren konnte. In seinem Fall drückte er zum einen recht offensichtlich, allerdings tat er dies auch bei Blähungen. Mit der Zeit stellte ich fest, dass es ein ganz bestimmtes Darmgeräusch gab, bevor er groß musste, dieses bei Blähungen aber ausblieb. Das Geräusch war eine Art helles Blubbern. Es pendelte sich auch schnell ein Rhythmus ein, er hatte im Allgemeinen ein- bis zweimal am Tag Stuhlgang, und meistens zu bestimmten Uhrzeiten, sodass ich zu diesen Zeiten aufmerksamer war als sonst.

Nur bezüglich des kleinen Geschäfts konnte ich nach wie vor keine Signale entdecken. Wir hielten ihn zu den typischen Zeiten ab, nach dem Stillen und beim Wickeln, auch wenn er sich dann zwar oft erleichterte, landete dennoch auch viel in der Windel. Ich denke, er urinierte viel während des Stillens. Aber da ich anfangs Stillschwierigkeiten hatte und mich darauf konzentrierte vom Stillhütchen wegzukommen, konnte ich nicht auch noch lernen, wie man ein Baby beim Stillen abhält.

Ich hatte auch probiert, ihn regelmäßig ohne Windel, nur mit einem Mulltuch zwischen den Beinen, zu lassen und ihn bewusst zu beobachten, um seine Signale zu erkennen. Leider merkte ich erst ein bis zwei Sekunden vorher, dass er sich erleichtern musste, also zu spät um ihn noch abzuhalten. Entsprechend wollte ich eventuellen Druck und Stress lösen und akzeptierte, dass es mit dem kleinen Geschäft einfach noch nicht so gut klappte. Dass das große Geschäft überwiegend im Töpfchen landete, war schon eine super Sache.

Wegen verschiedener Gründe stiegen wir, als er so drei/vier Monate alt wurde, darauf um, ihn im Liegen auf Klopapier oder Küchenpapier seinen Stuhlgang verrichten zu lassen. Er wurde sehr schnell sehr schwer, brauchte aber recht viel Zeit für seine Ausscheidungen, sodass es anstrengend für uns wurde, ihn über der Wanne zu halten. Von dem Töpfchen war er nicht sehr begeistert, im Liegen schien es ihm jedoch zu gefallen. Nun mag das für einige aufwendig klingen, aber wir bevorzugten es gegenüber dem, seinen ganzen Intimbereich von seinen Ausscheidungen zu befreien und die Windel ausspülen zu müssen. Auch er schien sich lieber im Liegen erleichtern zu wollen statt in die Windel, da er oft beim Wickeln loslegte. Es pendelte sich so ein, dass er morgens sein großes Geschäft direkt beim Wickeln verrichtete, bzw. irgendwann auch unruhig aufwachte, weil er musste. Somit legten wir ihn auf den Wickeltisch, zogen die Windel aus, und er begann sogleich damit.

Mit etwa fünf/sechs Monaten wurde mein Sohn plötzlich nachts zunehmend unruhiger. Da er das nächtliche Wickeln auch immer weniger tolerierte, dachte ich, dass auch die nächtliche Unruhe etwas mit dem Wickeln/Urinieren zu tun haben müsse. Von anderen Eltern hatte ich gehört, dass ihre Babies nachts nicht mehr gewickelt werden wollten, und sie sie somit die ganze Nacht in einer gut ausgestopften Windel ließen. Also probierte ich das auch aus. Aber es änderte nichts an seiner Unruhe. Nach wie vor wachte er ständig auf, wollte stillen und ließ sich kaum ablegen. Entsprechend kam ich dann darauf, es einmal auszuprobieren, ihm nachts gar keine Windel anzuziehen. Um Unfällen möglichst entspannt begegnen zu können, wurde sein Schlafbereich im Familienbett entsprechend vorbereitet, sodass ich schnell seine Unterlage wechseln konnte.

Es gab zwar eine ganze Weile lang so gut wie täglich Unfälle, aber doch urinierte er den größten Teil der Nacht beim Stillen. Und da ich Stillen mit Töpfchen darunter noch nicht beherrschte, weil die Töpfchen ungeeignet waren, hielt ich ihm einfach eine Mullwindel zwischen die Beine, in die er sich erleichtern konnte, und die dann gleich in den Windeleimer kam, sobald er fertig war.

Um uns das ganze noch einmal stressfreier zu machen, bestellte ich Asia-Töpfchen, Windelgürtel und Unterlagen auf dieser Webseite. Mit Windelgürtel und Mullwindel schlief mein Sohn auch entspannt, sodass ich die Unterlage selten wechseln musste und ein Wechseln der Mullwindel ausreichte. Dank des Asia-Töpfchens schaffte ich es dann auch, ihn während des Stillens abzuhalten. (Ich werde auf die Produkte im nächsten Artikel näher eingehen.)



Im Sommer, etwa von seinem achten bis zehnten Lebensmonat, lief es sehr gut mit der Ausscheidungskommunikation. Sein großes Geschäft verrichtete er nach wie vor weitestgehend direkt nach dem Aufstehen, und er begann nun auch, sein kleines Geschäft zu signalisieren, indem er scheinbar grundlos unruhig wurde. Als wir verstanden, woher die Unruhe kam, setzten wir ihn gleich aufs Töpfchen, und er erleichterte sich. Nur unterwegs blieben wir bei Windeln, da es oft für ihn und uns stressig war, ihn auszuziehen und an einem geeigneten Ort abzuhalten. Unterwegs wollte er auch lieber im Geschehen sein, statt davon entfernt zu werden. Wir brauchten zu dieser Zeit nur wenige Windeln in der Woche.

Doch als er mit zehn Monaten begann mobil zu werden und krabbeln lernte, blieb die Kommunikation sowohl beim großen als auch kleinen Geschäft plötzlich aus. Er verrichtete seinen Stuhlgang nur noch selten morgens, sondern zu verschiedenen Zeiten im Laufe des Tages. Nach einigen daneben gegangenen großen Geschäften stellte ich fest, dass seine Signale doch noch da waren, jedoch deutlich subtiler, und ich musste mich erst einmal neu darauf einstellen. Aber immerhin lief es in dem Bereich wieder, auch wenn er tagsüber wieder eine Windel trug. Zunächst war ich etwas frustriert, aber machte mir bewusst, dass es sich nicht um einen geradlinigen Prozess handelte. Auch von anderen hörte ich häufig, dass Babies in ihrer Mobilitätsphase erst einmal für eine Weile ihre Ausscheidungen nicht mehr kommunizierten bzw. ihnen das Spiel wichtiger war als eine saubere Windel.

So blieb es dann bis vor wenigen Wochen. Mit 15/16 Monaten lernte er frei zu laufen, und da schien ihn die Windel zu stören, er zog sie sich selbst aus oder forderte uns auf, dies zu tun. Praktischerweise muss er allerdings seitdem noch etwa alle zwei Stunden Wasser lassen, und ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wann dieser Moment ist. Es ist für mich immer noch sehr erstaunlich, aber ich denke mir manchmal plötzlich, dass er wahrscheinlich mal muss, halte ihn ab oder setze ihn aufs Töpfchen, und legt er tatsächlich gleich los. Ich habe von dieser Intuition oft gelesen/gehört, hatte es manchmal erlebt, aber bei uns hat es anscheinend länger gedauert, bis es sich zuverlässiger einstellte. Kürzlich forderte er mich sogar selbstständig dazu auf, ihn aufs Töpfchen zu setzen, und er begann gleich mit dem kleinen und großen Geschäft.

Nachts war es in den letzten Monaten sehr wechselhaft. Es gab Phasen, in denen er trocken zu werden schien, dann wieder Phasen, in denen er sich fast ausschließlich in die Mullwindel/auf die Unterlage erleichterte. Doch in der Regel urinierte er ein- bis zweimal in der Nacht auf die Unterlage und drei- bis viermal ins Töpfchen. Eine leichte Verstopfung war manchmal eine Ursache für häufigere Unfälle, da Verstopfung und Bettnässen miteinander zusammenhängen. (Hier ein interessanter Link zu dem Thema.) Selten waren Krankheit oder die Zähne die Ursache, aber sehr oft war ich einfach zu müde, um von seinem unruhigen Grummeln schnell genug aufzuwachen, bevor er mit dem kleinen Geschäft loslegte.

Allerdings gab es auch da in den letzten Wochen eine Veränderung: Nachdem ich einige Wochen das Gefühl hatte, er würde versuchen den Urin länger einzuhalten, wovon er dann zwar unruhig wach wurde, sich aber eben nicht erleichterte, hat er mittlerweile tatsächlich gelernt, seltener zu müssen. Er wacht zum Stillen nach wie vor alle zwei bis vier Stunden auf, aber uriniert nur ein- bis zweimal in der Nacht. Deshalb bleibe ich meistens liegen beim Stillen, und nur wenn ich mir denke, dass er wieder muss, oder er mir dies durch eine bleibende Unruhe deutlich macht, setze ich mich auf und halte ihm das Töpfchen drunter. Da er nun deutlich länger einhalten kann, gibt es nun auch wieder deutlich weniger Unfälle.

Wie man sieht, ist unser Abenteuer mit der Ausscheidungskommunikation von einem Auf und Ab geprägt. Auch wenn es sich für manche vielleicht anstrengend anhört, und es das auch tatsächlich manchmal war, so würde ich es nicht anders machen wollen, da wir dank der tieferen Kommunikation vieles an Unruhe und Unzufriedenheit auflösen konnten. Dass wir Windelwäsche sparen, sehr selten mit Kot in der Windel und entsprechend wunder Haut zu tun haben und dass er womöglich jetzt schon mehr oder weniger trocken ist, sind schöne Nebeneffekte. Für mich ist die Hauptmotivation seine eigene Motivation. Ich finde es immer noch erstaunlich, dass er sich selbstständig dazu entschieden hat, nachts trockener zu werden, unterwegs fast nie groß zu müssen (ohne deswegen verspannt zu sein) und länger einzuhalten – ganz ohne Druck oder Belohnung.

Natürlich passieren Unfälle, wenn er keine Windel an hat, und das ist manchmal auch ärgerlich. Aber ich halte es für wichtig, sich da selbst, so weit es geht, zu entspannen und die Gegebenheiten entsprechend anzupassen, damit ein Unfall möglichst stressfrei beseitigt werden kann. Unterlagen auf Betten/Matratzen/Sofas, Teppiche möglichst für eine Weile wegpacken oder auch abdecken und überall etwas zum aufwischen bereit halten – das gibt viel Lockerheit. Eine Pfütze auf dem Fußboden ist ja auch schnell beseitigt, woran ich mich manchmal auch selbst erinnern muss.

Ich finde es bei Windelfrei sehr wichtig, sich die verschiedenen Möglichkeiten des Abhaltens bewusst zu machen und sich gegebenenfalls daran zu erinnern. Denn meine Erfahrung ist, dass Babies selten in immer der gleichen Position abgehalten werden wollen. Mein Sohn wollte häufig nicht aufs Töpfchen bzw. auf die WC-Verkleinerung, und entsprechend haben wir ihn wie auf dem ersten Bild über die Wanne oder das Waschbecken gehalten. Er wollte auch häufig möglichst nahen Körperkontakt beim Abgehaltenwerden, vor allem nachts, sodass es sehr hilfreich war, in Stillposition das Töpfchen drunter haben zu können, ob ich nun tatsächlich stillte oder er einfach in meinen Armen lag.

Abschließend muss ich noch betonen, dass ich die Kombination aus Stoffwindeln und Windelfrei/Ausscheidungskommunikation sehr toll finde und nur empfehlen kann. Stoffwindeln, vor Allem das Überhosen-System, lassen sich gut daran anpassen, wie viel das Kind nun vermutlich urinieren wird. Dagegen muss man bei der Kombination aus Windelfrei und Wegwerfwindeln oft Windeln wegwerfen, in denen gerade einmal ein bisschen Urin landete. Und auch, dass Babies bei Stoffwindeln besser die Feuchtigkeit wahrnehmen können, sehe ich als einen Vorteil. So sind sie sich über die Geschehnisse bewusst, statt immer nur eine trockene Wegwerfwindel zu spüren, können so ein besseres Gefühl für ihre Ausscheidungen entwickeln und früher trocken werden – ganz ohne Sauberkeitserziehung. (Hier ein Artikel zum Thema Stoffwindeln.)

Mit den bisher gemachten Erfahrungen freue ich mich darauf, auch mit dem nächsten Kind selbstbewusster und entspannter diese Reise anzutreten, und ich hoffe, dass ich euch mit dem Bericht helfen konnte. Ich freue mich, wenn ihr eure Erfahrungen als Kommentar für andere hinterlassen würdet, und natürlich könnt ihr auch Fragen stellen. :)

Im nächsten Artikel werde ich euch Tipps zum Thema geben und praktische Hilfsmittel vorstellen.

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