Dienstag, 3. Februar 2015

Windelfrei/Ausscheidungskommunikation: Tipps für einen gelungenen Start


Viele wissen nicht so richtig, wie sie mit Windelfrei bzw. Ausscheidungskommunikation (AK) beginnen sollen, oder sind an einem Punkt angekommen, an dem es nicht wie gewünscht funktioniert. Deswegen habe ich für euch diese Tipps zusammengestellt und hoffe, dass etwas für euch dabei ist. :) Mein wichtigster Tipp zuerst:

Ruhe und Entspannung


Ich habe mich am Anfang durch manche Erfahrungsberichte und Ratgeber unter Druck gesetzt gefühlt, und ich habe den Eindruck, dass es vielen so geht. Dieser Druck, es unbedingt mit nur sehr seltenen Unfällen von Anfang an schaffen zu müssen, steht der entspannten Ausscheidungskommunikation entgegen und bringt das ganze fast schon eher in Richtung Sauberkeitserziehung. Es muss nicht von Anfang an klappen, es ist nicht schlimm, häufig/immer (Stoff-)Windeln zu verwenden, es wird immer wieder Situationen geben, in denen plötzlich nichts mehr geht - und das alles ist total okay. Der windelfreie Weg ist kein geradliniger, sondern sollte Eltern und Kind mehr Entspannung geben, nicht für Stress sorgen. Es wird dennoch auch häufig schwierige Situationen geben, wenn z. B. ein Kind keine Windel tragen möchte und darauf mit großer Unruhe und Weinen reagiert, es aber gleichzeitig mit dem Abhalten auch noch nicht/nicht mehr so gut funktioniert. Auch in diesen Situationen hilft es, einen kühlen Kopf zu bewahren und einen Weg zu suchen, der allen Beteiligten weitestgehend zusagt. Ebenso kann der Austausch mit anderen Eltern helfen, die realistisch über ihre Erfahrungen sprechen. :)

Körperkontakt


Der wohl wichtigste Aspekt beim Thema Windelfrei/AK ist der intensive Kontakt zwischen Eltern und Baby. So viel wie möglich kuscheln, stillen, in Tragetuch oder einer guten Tragehilfe tragen und nebeneinander im Familienbett oder Beistellbett schlafen helfen, eine intensive Bindung herzustellen und die Kommunikation zwischen Eltern, eventuellen älteren Geschwistern und dem Neugeborenen zu erleichtern. Auch andere Bezugspersonen/Familienangehörige können mit einbezogen werden, um den Eltern Arbeit abzunehmen. Nachdem meine Mutter z. B. zunächst skeptisch war, gab es dann doch Situationen, in denen sie ein Gefühl für die Ausscheidungsbedürfnisse meines Sohnes hatte. :)

Windel-Back-Up


Überhosen, links: Milovia
rechts: Bestbottom, Rumparooz, Imse Vimse

Windelfrei/AK wird hauptsächlich in wärmeren Gegenden betrieben, in denen die Kinder leicht bekleidet oder nackt einen großen Teil des Tages draußen verbringen. Entsprechend entspannt kann damit umgegangen werden, wenn ein Baby sich dann doch einmal unvermittelt erleichert. In kühleren Breitengreiden kann ein Windel-Back-Up helfen, ebenso entspannt zu bleiben. Wenn es schon besser läuft mit der AK und nur noch wenig daneben geht oder wenn man sehr häufig die Windeln wechseln möchte, um eine trockene Atmosphäre beizubehalten, eignen sich Überhosen mit Einlagen und Hybridwindeln sehr gut. Bei beiden Systemen lässt sich die Einlage wechseln, ohne dabei die gesamte Windel wechseln zu müssen. Auch Trainer-Höschen, die nur ein kleines Geschäft aufhalten können und wie Unterhosen aussehen, sind sehr praktisch, gerade wenn Kinder keine Windel mehr tragen möchten. Im Sommer oder nachts kann ein Windelgürtel mit Mullwindel passend sein. (Bild weiter unten.)

Hybridwindeln, links: Kokobaby
rechts: G-Diaper und Gladbaby

Vorbereitungen in der Wohnung


Eine entsprechend vorbereitete Umgebung hilft, mit Unfällen entspannt umgehen zu können:

  • Matratzen können mit wasserfesten, aber atmungsaktiven Unterlagen geschützt werden. (Siehe Punkt "Schlafen")
  • Töpfchen, Mullwindeln und Handtücher an verschiedenen Stellen in der Wohnung zu haben ist praktisch.
  • Sitz- und Liegeflächen des Kindes können mit wasserfesten Unterlagen geschützt werden. Eine wasserfeste Unterlage aus PU mit Handtuch darauf eignet sich hierfür (siehe Bild), oder aber eine selbstgenähte oder gekaufte Unterlage, die aus einer PU-Schicht und einer saugenden Schicht besteht.
  • Für den Autositz oder Kinderwagen gibt es kleinere Unterlagen.



Töpfchen und Co.


Theoretisch eignet sich jede nicht allzu große Rührschüssel als Töpfchen. Ich persönlich bevorzuge aber ganz klar das Asiatöpfchen, weil das Baby auf dem breiten Rand gemütlicher "sitzen" kann. Und gerade beim Abhalten von Jungs während des Stillens ist das Asiatöpfchen erste Wahl. Damit der Strahl auch drinnen landet, muss man das Töpfchen stark angeschrägt halten, was bei üblichen Schüsseln dazu führen kann, dass sie kippen und der Urin herausläuft. Durch den breiten Rand kann das Asiatöpfchen nicht parallel zur Matratze liegen, sondern liegt immer in einem Winkel, sodass der Urin besser drinnen bleiben kann. Auch die geringe Größe macht Abhalten beim Stillen deutlich bequemer. Sollte das alles dennoch erst einmal nicht so gut klappen und häufig etwas herauslaufen, gäbe es noch die Möglichkeit, ein Mulltuch in das Töpfchen hineinzulegen, auf das dann uriniert wird.

Auf diesem Foto sieht man, wie stark gekippt
ein Töpfchen bei Jungs gehalten werden sollte.

Weitere Tipps:

  • Viele bohren ein kleines Loch in den Rand des Asiatöpfchens, um es dann an einer Schnur am Rucksack für unterwegs mitnehmen zu können.
  • Es gibt für kleine Töpfchen auch entsprechende Bezüge (z. B. hier), damit das Baby nicht auf dem kühlen Rand sitzen muss.
  • AK geht aber auch ganz ohne Töpfchen. Über dem Waschbecken, der Bade-/Duschwanne oder auch dem WC lässt sich ebenso abhalten. Ich persönlich kann auch Plastikwannen, gerade für Jungs, empfehlen. Manche lassen ihre Babies auch auf ein Tuch oder in eine Mullwindel ihr Geschäft verrichten.
  • Ab Sitzalter können dann auch klassische Töpfchen, am besten transparent oder halbtransparent, und Toilettensitz-Verkleinerungen genutzt werden.


Abhaltesignale


Jedes Baby hat ganz individuelle Signale, die sich mit dem Alter ändern oder auch phasenweise komplett ausbleiben. 

Hier gibt es zwei Listen mit häufig vorkommenden Abhaltesignalen:


Abhaltepositionen


Es gibt viele Positionen, in denen man abhalten kann, und es ist nicht unüblich, dass ein Baby nur ein oder zwei spezielle Position mag und mit der Zeit seine favorisierten Abhaltepositionen ändert. 

Hier zwei Links, in denen ihr euch das einmal anschauen könnt:


Schlafen


Es gibt einige Eltern, die sich lediglich tagsüber in Ausscheidungskommunikation üben, andere lediglich nachts. Entsprechend kann da jede Familie für sich schauen, womit Eltern und Kind am besten zurechtkommen. 

Babies erleichtern sich nicht im Tiefschlaf, sondern nur in leichteren Schlafphasen oder wenn sie aufwachen. In diesen leichteren Schlafphasen werden sie meist unruhig, bevor sie ihr Geschäft verrichten, und Eltern können sich eine Sensibilität für diese speziellen Unruhe-Signale angewöhnen. Das braucht eine Weile, und oft wird sich das Kind erleichtern, kurz bevor man wach genug wurde. Aber zum einen kann man als Elternteil lernen, mit der Gewöhnung früher wach zu werden, zum anderen können auch Babies mit der Zeit lernen, den Urin solange zu halten, bis sie abgehalten werden. Vorausgesetzt natürlich, sie wissen, dass sie nach entsprechenden Signalen in den meisten Fällen relativ zügig abgehalten werden. Das Ganze funktioniert aber besser, wenn die Eltern nicht so übermüdet sind, dass sie erst beim lauteren Jammern oder gar Weinen wach werden. Gerade in den ersten Wochen und Monaten mit einem Neugeborenen wird das wahrscheinlich häufig der Fall sein.

Am bequemsten ist für manche nachts das Abhalten beim Stillen, da viele Babies sich beim Stillen erleichtern und auch gerne im engen Kontakt mit der Mutter bleiben. Meist wird es ausreichen, sich lediglich für den Part des Stillens aufzusetzen, bei dem das Baby uriniert. Bei vielen Kindern ist das ganz am Anfang, manche lösen sich auch erst später oder gar gegen Ende des Stillens. Entsprechende Signale können deutlich machen, wann es Zeit ist, abzuhalten. Es ist aber ebenso möglich, im Liegen dem Baby ein Mulltuch in den Schritt zu halten, in das es dann urinieren kann. 

Es gibt jedoch auch Kinder, die so nah am Körper der Mutter oder im Bett ihr Geschäft nicht verrichten wollen, sondern lieber vor, nach dem Stillen oder auch in einer Pause während des Stillens über einem geeigneten Gefäß gehalten werden möchten. Und es gibt Babies, die nachts gar nicht abgehalten werden wollen. All diese verschiedenen Präferenzen können sich auch im Lauf der Zeit ändern. Somit gilt: Locker bleiben, verschiedene Varianten ausprobieren und schauen, was jeweils am besten zur eigenen Familie passt.

Wenn ein Baby ohne Windel schläft, muss das Familienbett/Beistellbett entsprechend vorbereitet sein. Wasserdichte Unterlagen müssen auch atmungsaktiv sein, da sie ansonsten die Wärme- und Luftzirkulation beeinträchtigen und somit die Wahrscheinlichkeit des plötzlichen Kindstod erhöhen können. Ein Windelgürtel mit Mullwindel kann, falls ein Baby keine Windel tragen möchte und darauf mit Unruhe reagiert, eine Alternative zu komplett windelfreiem Schlafen sein, allerdings ist dann darauf zu achten, dass der Schritt nicht frei an der Luft ist, da ansonsten der Urin die Blase auskühlen kann. 

Windelgürtel mit Mullwindel

Schläft ein Baby im Schlafsack, sollte man diesen unten öffnen können, damit Wickeln und Abhalten weniger aufwendig sind. Da viele Babies, vor allem, wenn sie schon ein paar Monate alt sind, es lieber kühl haben beim Schlafen, kann es sein, dass ein Schafsack da, gerade im Sommer, zu warm ist. Eine Decke gibt Babies die Möglichkeit, sie bei zu viel Wärme wegzustrampeln. Bei Decken wird zwar oft von der Gefahr gesprochen, dass das Kind diese über den Kopf ziehen könnte, aber auch zu viel Wärme erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstods. Somit muss jede Familie für sich und abhängig von den individuellen Schlafgewohnheiten des Kindes beurteilen, was die beste und sicherste Entscheidung ist. 

Um Unfällen in der Nacht entspannt begegnen zu können, kann man sich zuvor alles Benötigte neben dem Bett zurechtstellen: Töpfchen, ein Behältnis, in dem Urin bis zum Morgen gesammelt werden kann, Mullwindeln, Windeln, Handtücher, Bettwäsche, eine Ersatzunterlage, eine Ersatzdecke oder einen Ersatzschlafsack. Bei jedem Unfall die komplette Bettwäsche mitten in der Nacht wechseln zu müssen, ist sehr stressig, und somit kann ich nur empfehlen, sich den eventuellen Ekel vor dem Urin des Kindes oder eventuelle, sehr hohe Reinlichkeitsansprüche abzugewöhnen, ein Handtuch auf die nasse Stelle zu legen und am nächsten morgen erst auszutauschen, was ausgetauscht werden muss. ;)

Asiatöpfchen, eine Unterlage mit wasserfester
PUL-Schicht, ein Windelgürtel und Stulpen.


Kleidung


Je nachdem, ob man ein Windel-Back-Up nutzen will oder dem Kind tatsächlich keine oder nur selten eine Windel anziehen möchte, sind die Ansprüche an die Kleidung natürlich unterschiedlich. Strampler sind so oder so nicht sehr praktisch, da man mit ihnen mehr Zeit zum an- und ausziehen braucht. Dennoch gibt es auch Menschen, die damit gut zurechtkommen, jedoch sollten die Strampler dann wenigstens Knöpfe im Schritt haben.

Zweiteilige Kleidungsstücke eignen sich um einiges besser für Ausscheidungskommunikation. Mit Back-Up lassen sich auch Bodies nutzen, doch wenn man komplett auf Windeln verzichten möchte, sind Bodies nicht sehr praktisch, da es bei einem Unfall mehr umzuziehen gibt.Tshirts/Pullis mit Hosen, oder aber auch Tunikas und Kleider mit Leggings, Strumpfhosen und/oder Stulpen sind gut geeignet. Ebenso sind sogenannte Splitpants sehr praktisch. Diese haben im Schritt einen Schlitz, sodass man ein Kind sehr schnell abhalten kann, ohne die Hose herunterziehen zu müssen. Hier mehr Infos.


Weiterführende Literatur und Webseiten


Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar Tipps zum Nachlesen geben und Shops verlinken, in denen es spezielle Windelfrei-Produkte gibt. :)

Auf folgenden Webseiten gibt es viele gute Informationen:

Online-Shops:

Literatur

Ich muss sagen, dass Literatur nicht unbedingt nötig ist bei dem Thema, sondern die Tipps hier und die verlinkten Webseiten ausreichen, um sich vorzubereiten. Aber wer gerne ein Buch in der Hand hat, der kann sich folgende Bücher einmal anschauen, auch wenn ich nicht alle Inhalte komplett teile und man sich streckenweise unter Druck gesetzt fühlen könnte.

  • Ingrid Bauer: Es geht auch ohne Windeln! Der sanfte Weg zur natürlichen Babypflege. Kösel-Verlag, 2004
  • Lini Lindmayer: Windelfrei? So geht's! Tologo Verlag, 2013

So, das wären meine Tipps für Windelfrei/Ausscheidungskommunikation. Fragen können gerne in den Kommentaren gestellt werden. Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!

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